Schilddrüsenkrebs bei jüngeren Frauen stark im Ansteigen

Kombinations-Therapie bringt normale Lebenserwartung


Berlin, Juni 2015 Die Fälle von bösartigem Schilddrüsenkrebs steigen neuen Studien zufolge in Industrieländern stark an, vor allem bei Frauen. Neben Tumoren der Brust wird sich das Schilddrüsenkarzinom demnach in den nächsten fünf Jahren zu den am schnellsten wachsenden Krebserkrankungen bei jüngeren Frauen entwickeln, erklärt der Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN). Die Erkrankung macht sich zu Beginn meist mit einem Knoten im Bereich der Schilddrüse bemerkbar. Die beste Heilungsrate verspricht die Kombination aus Operation plus Radiojodtherapie. Sie verschafft jüngeren Frauen eine normale Lebenserwartung, wie Langzeitbeobachtungen belegen. Die Radiojodtherapie ist in Deutschland eine Kassenleistung.

Wie ein Autorenteam um die Epidemiologin Hannah Weir in der Fachzeitschrift „Cancer“ berichtet, werden in den USA bei Frauen bis zum Jahr 2020 die größten Zuwachsraten bei Lungen-, Brust-, Gebärmutter- und Schilddrüsenkrebs erwartet. Diese Prognose entspricht dem Trend, der sich auch in Deutschland seit einigen Jahren abzeichnet. So wurden 2013 hierzulande 4.200 Frauen registriert, die neu am Schilddrüsenkarzinom erkrankten, im Jahr 2000 waren es 2.700.

 

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Welche Ursachen die Zunahme hat, ist nicht vollständig geklärt. „Zwar gab es einen regionalen und zeitlich begrenzten Anstieg der Erkrankungsraten im Umkreis der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, dies erklärt aber nicht den weltweiten Anstieg“, sagt Professor Dr. med. Matthias Schmidt, BDN-Experte und Nuklearmediziner an der Universitätsklinik Köln.Das mag eher an einer verbesserten Diagnostik liegen, denn der Ultraschall hilft, tumorverdächtige Knoten frühzeitig zu erkennen“, so Schmidt.

Klar ist ebenfalls, dass die Kombination aus Operation plus Radiojodtherapie sehr gute Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs eröffnet. Bei diesem Behandlungskonzept wird zunächst die Schilddrüse chirurgisch entfernt. Ein kleiner Rest von Schilddrüsengewebe verbleibt aber trotz Operation fast immer, berichtet Schmidt. Die nachfolgende Bestrahlung mit radioaktivem Iod beseitigt dann die übrigen Restzellen.

Dafür nehmen die Patienten radioaktives Iod 131 ein, meist in Form einer Kapsel. Weil die Schilddrüse als einziges Organ des menschlichen Körpers die Fähigkeit hat, Iod in ihren Zellen hochkonzentriert anzureichern, lagern sich die radioaktiven Substanzen ausschließlich in diesem Gewebe ab und zerstören es. Andere Organe wie Speicheldrüsen, Schweißdrüsen, Magenschleimhaut, Nieren oder Blase sind lediglich an der Ausscheidung der radioaktiven Partikelbeteiligt und erhalten eine nur geringfügige Strahlendosis.

Derart behandelt, dürfen Patienten mit einer normalen Lebenserwartung rechnen – das zeigen aktuelle Daten über einen Beobachtungszeitraum von dreißig Jahren, die am Universitätsklinikum Würzburg gesammelt wurden. Der Krebs kehrt nur bei weniger als fünf Prozent zurück. „Damit erreichen die Patienten eine Lebenserwartung, die mit der gesunder Menschen vergleichbar ist“, betont Schmidt. Die Erkrankung macht sich typischerweise mit einer Knotenbildung im Bereich der Schilddrüse bemerkbar.

Die Radiojodtherapiewird seit den 1940er Jahren angewendet, gilt als nebenwirkungsarm und auch in der langjährigen Verlaufsbeobachtung als sicher. In Deutschland existierten im Jahr 2014 etwa 120 Therapieeinrichtungen, in denen etwa 50.000 Behandlungen jährlich durchgeführt wurden. Die Radiojodtherapie ist in Deutschland eine Kassenleistung und wird stationär durchgeführt.

 

Quellen:

Weir HK, Thompson TD, Soman A, Møller B, Leadbetter S. Cancer. 2015 Jun 1;121(11):1827-37. doi: 10.1002/cncr.29258. Epub 2015 Feb 3. PMID: 25649671 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25649671

Verburg FA, Stokkel MPM, Düren C, Verkooijen RBT, Mäder U, van Isselt JW, Marlowe RJ, Smit JW, Reiners C, Luster M. No survival difference after successful 131I ablation between patients with initially low-risk and high-risk differentiated thyroid cancer. Eur J Nucl Med Mol Imag 2010; 37:276-283.

http://link.springer.com/article/10.1007/s00259-009-1315-6

DOI 10.1007/s00259-009-1315-6

 


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Pressemitteilung_BDN_Karzinom_Juni_2015.pdf
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